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Die Hürden der Potentialentfaltung mit dem Enneagramm bewältigen - bei dir selbst und innerhalb der Familie

Potentiale und innere Antreiber mithilfe des Enneagramms erkennen und fördern


Jeder Mensch ist einzigartig, doch ein paar Dinge haben wir alle gemeinsam. Zum Beispiel ein in uns liegendes Potential, das entfaltet werden möchte. 



Zitat Helen Palmer Enneagramm



Wenn wir als Kind die Möglichkeit hatten, uns auszuprobieren und unsere inneren Antreiber kennenlernen zu dürfen, dann haben wir dieses Potential vielleicht erkannt und entfaltet. Doch gibt es jede Menge Stolpersteine, die dieses freie Entfalten oftmals schwierig gestalten. 



Die bekannte Führungskräfte-Trainerin und Autorin Vera F. Birkenbihl sagte zu Lebzeiten:

“Jeder hätte sein volles Potential entfalten können, doch leider ist die Erziehung dazwischen gekommen.”

Und der Neurobiologe und Gründer der Akademie für Potentialentfaltung Gerald Hüther sagt:

"Potentialentfaltung ist der normale Prozess. Wir Menschen sind aber in der Lage, ihn zu blockieren.”


Das tun wir seiner Meinung nach, indem wir andere oder uns selbst zum Objekt machen. Zum Objekt unserer Erwartungen, Bewertungen oder Belehrungen. Dies geschieht nicht nur in der Schule durch Lehrer, sondern auch durch Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde. Und das sogar recht häufig. Oftmals sogar unbewusst und ebenso ganz oft sogar in gut gemeinter Absicht.


Als ich mich vor kurzem intensiver mit dem Enneagramm beschäftigt habe, um an meiner eigenen Selbstentwicklung weiterzuarbeiten, sind mir einige Fragen dazu gekommen:


Ob ich womöglich meinem Kind selbst schon bei der Potentialentfaltung im Wege stand, obwohl es mir doch so wichtig ist, dass er sich frei entfalten kann - und genauso ob auch ich mich mit lieb gemeinten Hinweisen meiner Eltern und Freunde vielleicht selbst an der ein oder anderen Stelle eingeschränkt habe.


Was ist das Enneagramm?


Das Enneagramm zeigt, als Persönlichkeitstypen-Modell angewandt, neun einzigartige Enneagramm-Typen. Jeder dieser Typen weist gewisse Merkmale und Wesenszüge auf. Jeder Typ sieht die Welt auf eine andere Art und Weise.



Die 9 Enneagramm Typen


Im Enneagramm geht es darum, dass zwar jeder Mensch Eigenschaften all dieser neun Wesensarten in sich trägt, jedoch maßgeblich von einem bestimmten Typen von innen heraus angetrieben wird.


Bei der Anwendung des Enneagramms ist es wichtig, zu beachten, dass es keinen besseren oder schlechteren Typen gibt, dass keine Eigenschaft wertvoller oder minderwertiger ist als eine andere, und dass jeder sowohl mit vermeintlichen Gaben / Potentialen als auch mit vermeintlichen Lastern seines Enneagramm Typen gesegnet ist.


Zudem, dass der Haupt-Enneagramm Typ eines Menschen nicht bestimmt, ob diese Person sympathisch oder liebenswert ist, sondern eben einfach nur anzeigt, was diesem Menschen wichtig ist, was er oder sie in diesem Leben zeigen, beweisen oder erreichen möchte - was ihn oder sie von innen heraus antreibt.




Erkenne dich im Spiegel des Enneagramms



Das Enneagramm als Tool für Frieden in der Familie


Als meine Enneagramm Coaches vor einigen Jahren davon erzählten, wie sie das Enneagramm in ihrem Familienleben einsetzen und wie dies zu einem tiefgehenden Verständnis der Familienmitglieder sowie einem größeren Familienfrieden beitrug, machte ich mir zunächst keine großen Gedanken darüber, denn ich wollte das Enneagramm erst einmal für mich selbst verstehen und nutzen. Außerdem fand ich, dass der Familienfrieden gut genug bei uns sei.


Doch als ich mich kürzlich wieder intensiver mit dem Enneagramm befasste und mich dieses mal tiefer in alle 9 Enneagramm Typen eingelesen habe, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Einige Wesensarten, die mich schon immer bei meinen Liebsten gewundert oder getriggert haben, könnten tatsächlich durch ihren Enneagramm-Typen ausgelöst werden und auf ihre wahren inneren Antreiber hinweisen. 


Mir wurde zudem klar, dass ich womöglich bewusst, aber auch unbewusst durch meine eigenen Werte und Antreiber entgegengesteuert habe und ihnen somit möglicherweise öfter das Gefühl gegeben habe, nicht so in Ordnung zu sein, wie sie sind. Sie also zum Objekt meiner (gut gemeinten) Hinweise, Erwartungen und Bewertungen gemacht zu haben. Doch dazu muss ich mich nun eindeutig fragen: Wer bin ich zu beurteilen, was wirklich gut oder schlecht ist?





 


Ein Gedankenspiel: Das unbewusste Zusammenspiel verschiedener Enneagramm-Typen in der Familie


Nehmen wir ein fiktives Beispiel einer herzlichen, liebevollen Familie, der es tatsächlich daran gelegen ist, Räume füreinander zu schaffen, in denen sich jeder gut entfalten kann. Über das Thema Enneagramm und die damit verbundenen inneren Antreiber haben sie noch nichts gehört…


Wir schreiben das Jahr 1990…


Gaby, Anfang 40 ist Typ 7 - die optimistische Frohnatur. Ihr ist es wichtig, dass alle gut gelaunt sind und dass niemand Druck hat - sie will ihren Kindern Freiraum schaffen, indem sie ihnen möglichst viel abnimmt und wenig Erwartungen an sie heranträgt. Sie möchte, dass ihre Kinder viel Freiheit haben, denn das hat ihr als Kind gefehlt. In der Schule musste sie gute Noten mit nach Hause bringen und bekam viel Druck. Das - nahm sie sich vor - würde sie ihren Kindern nicht antun.


Gabys Tochter Jenny geht in die 6. Klasse. Sie ist Typ 5 - die stille Beobachterin. Jenny ist froh, dass sie wenig Druck hat und sich ausprobieren kann, sie freut sich, dass ihre Mutter sie nicht viel in den Haushalt einbindet und keine Erwartungen hinsichtlich schulischer Leistungen an sie stellt. So kann sie in Ruhe alleine in ihrem Zimmer Bücher und Zeitschriften nach den Themen durchforsten, die sie interessieren. Den tiefen Wunsch, die Welt, das Leben und die Menschen verstehen zu wollen, versucht sie, über Kinderromane, Filme und Serien zu erfüllen.



Enneagramm Typ 5 - Lesen Introvertiert Bücher


Jenny und ihre Freundin Judy finden, dass die Klassenkameraden, die viel lernen, Streber sind und verbinden dies mit einem negativen Bild - und mal ehrlich - was da in der Schule so erzählt wird interessiert doch ehrlicherweise niemanden.


Doch manchmal kommen schon Fragen in Jenny auf, die sie interessieren und zu denen sie keine Antwort findet - als Typ 5 ist es ihr nun doch sehr wichtig, die Welt zu verstehen. In der Schule traut sie sich nicht zu fragen - sie will ja kein Streber sein und auch nicht dumm da stehen, falls die anderen diese Fragen als dumm empfinden würden. Und so fragt sie ihren Vater Henry, der Typ 1 - der Perfektionist ist. Henry will es genau erklären und holt das Lexikon dazu, doch dann sehen Tochter und Vater schon den Blick von Mutter Gaby, der besagt: Lass doch das Kind mit deinem Lexikon in Ruhe. 


Manchmal überlegt Jenny, ob sie sich vielleicht ein paar Dinge aufschreiben sollte, die sie interessieren, aber das wäre ja total streberhaft, also gibt sie sich wieder ihrem wohl gewünschten Alleinsein mit ihren Büchern und Filmen hin oder geht zu Judy zum Spielen.


Etwa 20 Jahre später…


Als Jenny selbst Mutter wird, bekommt sie einen Sohn, Leon. Leon ist Typ 3 - der erfolgsorientierte Performer, der Macher. Zu seinem Glück ist er nicht nur daran interessiert, Leistung zu zeigen, in Aktion zu sein und zu gewinnen, er ist auch ein begnadeter Sportler mit großem Willen und dem Ansporn, immer besser zu werden. 


Jenny, die selbst den geringen Druck hinsichtlich Leistungserwartungen genossen hat, gibt dies selbstverständlich an Leon weiter, auch er soll einfach schauen, was ihn begeistert und sich frei entfalten. Dass der Wunsch nach körperlicher Aktivität und sportlichem Erfolg nun etwas völlig anderes ist als die Suche nach Wissen, Wahrheit und Ruhe, die Jenny begeistert, ist für sie in Ordnung - hat sie doch mittlerweile sehr viel psychologische Literatur über die Individualität von Menschen gelesen. 


Hin und wieder versucht sie einmal zu prüfen, ob da nicht doch auch ein Wunsch nach Lesen und Muße vorhanden ist und bringt Leon Bücher und Zeitschriften über seine Lieblingssportler mit, doch sie erkennt, dass das Aneignen von Wissen durch Lesen, nicht das ist, was ihrem Sohn im Kern entspricht. 


Jenny fühlt sich selbst sehr schlecht, wenn ihr Sohn anfängt mit sich zu hadern, wenn er doch einmal  am Verlieren ist oder merkt, dass jemand anderes besser ist als er. Sie möchte ihm den Druck nehmen und tröstet ihn, dass es doch gar nicht so wichtig ist, immer zu gewinnen, immer der Beste zu sein und dass man auch verlieren lernen muss, wenn man erfolgreich sein will. Sie fühlt sich damit auf der sicheren Seite und denkt, sie tut nur das Beste für ihren Sohn. Als sie beim nächsten Wettkampf sieht, wie er seine Mannschaftskollegen tröstet, die mit einer Niederlage deutlich mehr zu kämpfen haben als er, ist sie sich sicher, alles richtig gemacht zu haben.



Enneagramm Typ 3 - Leistungsorientierter Performer, Sportler, Gewinner


Leon ist froh, dass seine Eltern ihm das Gefühl geben, dass er so wie er ist voll und ganz geliebt wird und sich frei entfalten darf. Und es gibt ihm Sicherheit, dass seine Leistungen - ob gut oder schlecht - nichts an der Liebe seiner Eltern ändern. Trotzdem geht es ihm hin und wieder auf die Nerven, wenn Mama Jenny ihm klarmachen will, dass gewinnen gar nicht so wichtig ist. Was ist bloß falsch mit ihm, dass es ihm so wichtig ist zu gewinnen und es  ihm so schwer fällt zu verlieren. 


Auch Jenny merkt, dass Leon beim Alleine Üben, wenn es nicht so läuft wie gewünscht oder beim Verlieren im Brettsspiel zu Hause jedes Mal wieder mit sich ringen muss, um seinen Ehrgeiz erfolgreich zu sein zu unterdrücken und so fängt sie an zu zweifeln, was wohl mit ihrem Leon los sein könnte und warum er denn nicht verinnerlichen kann, dass es nicht so wichtig ist, immer gewinnen zu müssen.



 



Wer bestimmt, was gut oder schlecht ist - was wünschenswert, wichtig und erstrebenswert ist?


Dieses Gedankenspiel zeigt, dass wir tatsächlich überdenken könnten, was wir als wertvoll anerkennen und was nicht. Wer sind wir, zu entscheiden, was gut oder schlecht ist, was erstrebenswert ist und was nicht? Gaby will Jenny vor Leistungsdruck schützen und vermittelt ihr den Eindruck, Spaß haben ist wichtiger als lernen. Doch was, wenn Lernen etwas ist, das Freude bereitet?

Jenny will Leon vor Frust schützen und versucht zu vermitteln, dass es nicht schlimm ist zu verlieren. Doch was wenn Leon diesen Ehrgeiz braucht, um glücklich zu sein und sein Potential voll zu entfalten, selbst wenn es für Außenstehende aussieht, als würde er sich unnötig unter Druck setzen?


Vielleicht ist es an der Zeit anzuerkennen, dass jeder Mensch, auch schon die Kleinsten, ihre individuellen Antreiber in sich tragen. Und unabhängig davon, welcher Antreiber dies ist, könnte es für die Entfaltung des Potentials dieses Wesens förderlich sein, dass es diesen inneren Antreiber besitzt und auslebt. Selbst wenn wir diese Antreiber überhaupt nicht nachvollziehen können. Wer kann schon behaupten, die Macht darüber zu haben, zu bestimmen, welche Werte, Überzeugungen und inneren Antreiber letztendlich gut oder schlecht sind?




Vielfalt - ohne Inklusionsterror - People are basically the same



Wie kann das Enneagramm helfen, das eigene Potential und das der Liebsten zu entfalten?


Das Enneagramm ist ein wertvolles Werkzeug, das dazu beitragen kann, das eigene Potential und das der Liebsten zu entfalten, indem es einen tiefen Einblick in individuelle Wesensart bietet. Durch das Verständnis des eigenen Enneagramm-Typens können wir bewusster mit unseren Stärken und Herausforderungen umgehen.

 

Wenn jemand beispielsweise erkennt, dass sein Haupt-Antreiber darin besteht, Perfektion anzustreben (Typ 1), kann dies zu einer bewussteren Selbstentwicklung führen. Diese Person kann dann gezielt daran arbeiten, ihre Stärken zu nutzen, ohne sich von übermäßigem Perfektionismus einschränken zu lassen und ohne es von anderen ebenso zu erwarten.


In Beziehungen ermöglicht das Enneagramm ein tieferes Verständnis für die Persönlichkeit der Partner oder der Kinder. Angenommen, ein Partner ist Typ 5, der oft ein Bedürfnis nach Unabhängigkeit hat und sich durch Wissen sicher fühlt. Der andere Partner, der dies versteht, kann Wege finden, um diese Bedürfnisse zu unterstützen und ein Umfeld zu schaffen, das das individuelle Wachstum fördert.


Das Enneagramm wird dann zu einem Werkzeug der Selbstreflexion und der zwischenmenschlichen Sensibilität, das dazu beiträgt, die Einzigartigkeit eines jeden Menschen zu schätzen und gemeinsam an persönlichem Wachstum zu arbeiten.


Natürlich ist das Enneagramm nicht dazu gedacht, sich seines Typs bewusst zu werden und sich im Anschluss mit der Einstellung “So bin ich halt” zurückzulehnen. Dennoch ist es wertvoll zu erkennen, was jeden einzelnen von innen heraus antreibt, welchen Sinn man in diesem Leben sucht und wie man dies auf eine bereichernde Weise in die eigene Selbstentwicklung sowie ins Gemeinschaftsleben integrieren kann. Nicht umsonst wird oft betont, dass die Arbeit mit dem Enneagramm ein schrittweiser Prozess ist, der zur Integration der Gesamtpersönlichkeit oder Wesensart führt.




Erkenne die wahren inneren Antreiber im Enneagramm



Wie kann ich das Enneagramm konkret nutzen, um das eigene Potential und das meiner Liebsten zu entfalten?


Um das Enneagramm für dich selbst und die eigene Familie anzuwenden, kannst du wie folgt vorgehen:


Gehe einmal alle 9 Enneagramm-Typen durch (z.B. in meinem Enneagramm Artikel oder Erkenne dich selbst im Enneagramm-Booklet )und überlege:

  • Was wäre, wenn mein Kind oder mein Partner Typ 1,2,3 etc. wäre?

  • Was wäre, wenn ich Typ 1,2,3 etc. wäre?

  • Lass ich mich und den anderen so sein, dass wir diese Gaben und Potentiale ausleben können oder blockiere ich evtl. etwas durch meine (gutgemeinten) Wertvorstellungen?



Was kann ich noch tun, um das eigene Potential und das meiner Liebsten zu entfalten?


Welche Fragen ich mir noch stellen kann (ohne Enneagramm), um zu prüfen, ob ich das Potential meiner Liebsten helfe zu entfalten oder gar blockiere:


  • Wer bestimmt, welche Werte richtig und wichtig sind in unserer Familie? (Eine Werte-Liste findest du am Ende meines Artikels über Selbstreflexion)

  • Können wir unterschiedliche, individuelle Wertvorstellungen haben und dennoch ein friedliches und potentialentfaltendes Familienleben haben?

  • Können wir den anderen wirklich so sein lassen wie er / sie ist - mit all seinen inneren Antreibern und Wertvorstellungen oder versuchen wir doch immer wieder dem anderen unsere Wertvorstellung - zumindest zu verdeutlichen und damit womöglich schmackhaft zu machen?

  • Können wir unsere eigene Wertvorstellung und inneren Antreiber akzeptieren, ohne dafür von den anderen verstanden werden zu müssen?



 


Wenn du mehr über das Enneagramm erfahren möchtest, steht dir mit meinem Enneagramm Artikel eine kurze Einführung zur Verfügung. Du kannst zudem mein Erkenne dich selbst im Enneagramm-Booklet mit ausführlichen Typenbeschreibungen herunterladen, um tiefer in die Materie einzusteigen.



 

Wenn du dich intensiver mit den Themen Selbstreflexion und Selbstentwicklung auseinandersetzen möchtest, lade ich dich herzlich dazu ein, einen Blick auf mein Kursangebot zu werfen.


In meinem Kurs "Innere Balance" erhältst du nicht nur Einblicke aus Psychologie, Philosophie und Spiritualität, sondern auch praktische Erkenntnisse. Du lernst, deine eigenen Bedürfnisse besser zu erkennen und selbstbewusster dafür einzustehen. Zudem erfährst du, wie du Gedankenspiralen unterbrechen kannst. Verschiedene Übungen unterstützen dich dabei, deine wahren Antreiber und den Sinn deines Lebens nach und nach ans Licht zu bringen.



Innere Balance Kurs - Selbstentwicklung
Innere Balance Kurs Selbstentwicklung


 





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