Mit Selbstliebe und einem gesunden Selbstwertgefühl Konfliktsituationen meistern

09.01.2022

Wie du es schaffen kannst durch Selbstliebe und ein gesundes Selbstwertgefühl jegliche Konfliktsituation zu meistern und dabei ruhig und gelassen bleiben kannst

Ob im Beruf oder Privat, oftmals sehnen wir uns nach Anerkennung und Wertschätzung durch andere. Dass dies ein ein ganz normales typisches, menschliches Bedürfnis ist, zeigte schon Maslow in seiner Bedürfnispyramide*, in der das “Geltungsbedürfnis” also z.B. die Anerkennung durch andere auf der zweithöchsten Ebene zu finden ist.

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Was aber, wenn dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird? Oder gar in Konfliktsituationen durch Kritik oder unpassende, ungebetene Ratschläge angegriffen wird?

  • Es kratzt am Ego

  • Unser Geltungsbedürfnis fühlt sich bedroht

  • Unser Selbstwertgefühl rutscht in den Keller

  • Womöglich nehmen wir uns die Kritik zu Herzen

  • Vielleicht reden wir uns selbst klein

  • Wir überlegen ob der andere recht hat

  • Vielleicht fühlen wir uns minderwertig

  • Womöglich mögen wir uns selbst gerade überhaupt nicht mehr

Und wie reagieren wir häufig in solch unangenehmen Situationen?

  • Oftmals schalten wir auf Gegenangriff

  • Vielleicht versuchen wir uns zu rechtfertigen

  • Oder wir machen uns selbst klein

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Solche Konfliktsituationen sind meistens unangenehm. Aber die gute Nachricht ist:  Es gibt kleine Stellschrauben, an denen wir drehen können, damit sich solch unangenehme Situationen für uns nicht mehr unangenehm anfühlen.

 

Wenn du die Sache einmal recht nüchtern betrachtest, wirst du feststellen, dass es womöglich niemanden oder nur sehr wenige Menschen gibt, mit denen du immer einer Meinung bist. Genauso wenig wird es Menschen geben, die ausnahmslos alles und das auch immer an dir gut finden und umgekehrt.

 

Es gibt also tatsächlich nur wenige Menschen oder vielleicht gar niemanden, dessen Meinung du wirklich immer teilen kannst oder dessen Verhalten du zu 100% - also in allen Bereichen - als vorbildlich und nachahmenswert für dich selbst ansehen würdest. 

Und das ist auch vollkommen fein, denn jeder Mensch ist so individuell mit seinen eigenen Bedürfnissen, Erfahrungen und Werten, dass es einfach keine 2 Menschen gibt, die in wirklich allem übereinstimmen.

 

Dennoch suchen die meisten Menschen oftmals nach einem Vorbild, dem sie voll und ganz folgen können oder hoffen, dass es jemanden gibt, der einen selbst in möglichst allen Facetten als Vorbild ansieht. 

Lass los von der Vorstellung, jemand anderes müsse dir das Gefühl geben, dass du gut bist, so wie du bist.

Wenn du dir also über diese unbewussten Bedürfnisse, die in jedem stecken bewusster wirst, erkennst du, dass eine unangenehme Situation ganz häufig deswegen unangenehm ist, weil wir uns wünschen, dass der andere uns anerkennt und wertschätzt.

 

Aber das muss er gar nicht. Was uns hilft, ist es, uns einfach einmal selbst die Erlaubnis zu geben, dass es ausreicht, sich selbst so gut zu finden, wie man ist.

 

Sich selbst wirklich ehrlichen Herzens einfach so anzunehmen, wie man ist. Ohne den Wunsch, dass es jemand anderes auch finden muss. 

Wenn du es dann noch schaffst, dieses Gefühl auch zum Zeitpunkt einer Kritik zu behalten, dabei wirklich innerlich ruhig bleiben kannst, ohne direkt auf Gegenangriff zu schalten und ohne ein Selbstzweifel-Gedankenkarussell in Fahrt zu bringen, dann bist du deinem inneren Frieden und deiner Gelassenheit ein ganz großes Stück näher gekommen. Dann hast du eine große Portion Selbstbewusstsein dazu gewonnen und stehst in deiner eigenen Stärke.

Image by Content Pixie

Die typischen - und zumeist - unbewussten - Reaktionen auf Kritik

Beispiel Reaktion auf ungebetene Ratschläge, die dich reizen

 

Nehmen wir mal ein Beispiel:

Jemand aus deinem näheren Umfeld, der es sonst eigentlich immer gut mit dir meint, sagt aus heiterem Himmel, du solltest mehr Sport machen, da dies ja so wichtig für die Gesundheit sei und dass deine 20 Minuten Fußweg, die du täglich innerhalb deines Arbeitsweges zurücklegst, nicht wirklich Sport seien. Du findest das überhaupt nicht und magst auch keinen Sport. Zumindest aktuell steht das für dich gar nicht zur Debatte, wenn du ganz ehrlich in dich hineinschaust. Dir reicht dein täglicher Fußweg von 20 Minuten einfach an Bewegung aus.

 

Nun gibt es die 3 altbekannten Reaktionsmöglichkeiten:

Angriff/Trotz:

“Ja aber du hast gut reden, du bist ja schon immer total der sportliche Typ und dir macht das auch Spaß. Außerdem hast du viel mehr Zeit als ich. Ich finde du könntest viel öfter mal ein Buch lesen statt immer nur schrottige Filme anzuschauen, das ist sicher für die mentale Gesundheit auch nicht so gut.”

Rechtfertigung/Trotz:

“Ja, ich weiß, ich mache gerade keinen Sport, aber dafür esse ich doch total gesund und meine Ergebnisse bei der Vorsorgeuntersuchung waren super. Außerdem habe ich jeden Tag noch 20 Minuten Fußweg auf meinem Arbeitsweg. Zudem bin ich mit meiner Figur und Ausdauer voll und ganz zufrieden.”

Rückzug/Klein machen:

“Ja, du hast ja recht. Es macht mir zwar keinen Spaß, aber es wäre bestimmt viel besser für meine Gesundheit wenn ich mehr Sport machen würde. Ich bin halt immer so faul, ich müsste einfach mal öfter den Hintern hochbekommen.”

 

Stattdessen versuche einmal diese folgende - bewusstere - Reaktionsmöglichkeit 

Selbstbewusste Selbstliebe:

Atme einmal tief durch und lächle. Versetze dich in das Gefühl, dass egal was der andere denkt oder sagt, dies nichts mit deinem Wert zu tun hat. Du darfst dir selbst erlauben deinen eigenen Selbstwert zu spüren. Das hat nichts mit Egoismus, Narzissmus oder Arroganz zu tun. Das ist einfach ein gesundes Selbstwertgefühl.

Bei der Selbstliebe Reaktion bedarf es keiner Worte. Du bist dir voll und ganz deiner selbst bewusst und weißt, dass du aktuell keinen Sport machen möchtest. Und du erlaubst dir selbst, dass dies auch fein so ist. Du lässt dich nicht hinreißen zu einer aufgeregten Angriffs- oder Rechtfertigungsantwort und du machst dich auch nicht klein weil jemand anderes der Ansicht ist, dass du mehr Sport machen solltest. Selbst wenn es jemand ist, den du sehr schätzt. Du lässt dir also durch den ungebetenen Ratschlag dein Selbstwertgefühl nicht nehmen.
 

Ganz wichtig dabei ist es auch, dass du dem anderen nichts vorwirfst und ihn so nimmst wie er ist. Manchmal haben Menschen, die ungefragt Ratschläge zur “Selbstverbesserung” geben, selbst das Gefühl, sie müssten etwas besser machen um wirklich vollkommen liebenswert zu sein. Vielleicht sind sie auch unglaublich stolz auf eine tolle Leistung, die sie vollbracht haben oder dauerhaft vollbringen und ihr eigener Stolz reicht ihnen nicht aus, um ihren Selbstwert damit zu steigern. Daher suchen sie unbewusst diese Bestätigung von dir, in dem sie dich dazu auffordern das gleiche tolle zu leisten. In dem du mit einer heftigen oder selbstzweifelnden Reaktion antwortest, vermittelst du dem Gegenüber das Gefühl, dass seine Aufforderung, sein Ratschlag, seine “tolle Leistung” tatsächlich für jeden Wichtig sein muss.


Daher hilft es hier sowohl dir selbst als auch deinem Gegenüber mit einem wirklich ehrlich gemeinten Lächeln zu antworten. Kein hämisches, angegriffenes, trotziges oder selbstzufriedenes Lächeln, sondern einfach ein mit-sich-selbst-im Reinen-Lächeln in dem gedanklichen Bewusstsein:

 

“Ich weiß dass du gut bist wie du bist. Und ich weiß, dass ich gut bin, so wie ich bin”. 


Wenn du unbedingt etwas entgegnen möchtest, könntest du in dem Falle vielleicht so etwas sagen, wie “Danke für den Ratschlag, ich werde mir das einmal überlegen”. Aber bleibe dabei in deiner “wir beide sind gut wie wir sind”-Einstellung und verfalle nicht in Rechtfertigungen, Gegenangriffe oder Selbsterniedrigungen.
 

Image by Jeremy Bishop

Warum ist es so schwierig ruhig und gelassen und voller Selbstvertrauen auf Kritik, Provokation oder ungebetene Ratschläge zu reagieren?

 

Das Reptilien-Gehirn oder der Amygdala Highjack

Dass es oftmals schwierig ist Ruhe zu bewahren, wenn wir von Kritik angegriffen werden, liegt an unserem “Reptilien-Gehirn”, wie Vera F. Birkenbihl* es nennen würde bzw. an dem “Amygdala Highjack”, wie der Psychologe Daniel Goleman* es in seinem 1995 erschienenen Buch “Emotionale Intelligenz”* genannt hat. Es liegt in der Tat an der sogenannten Amygdala, dem Mandelkern in unserem Gehirn. Dieser verhalf unseren Vorfahren schnell zu reagieren, wenn Gefahr nahte, z.B. der Anblick eines Säbelzahntigers bewirkte die sofortige Flucht oder Angriff. 

Unser Gerhin hat sich dahingehend noch nicht allzu sehr weiterentwickelt. Nun gibt es immer weniger äußerliche Gefahren für uns, aber die Amygdala reagiert ebenso, wenn es um die Verletzung unseres inneren Selbst geht. Wenn wir also das Gefühl haben, dass derjenige, der wir wirklich sind, nicht ok ist, wie er ist, fühlt die Amygdala eine Bedrohung. Die Amygdala versucht uns dann, mit einer automatischen und oft heftigen Reaktion zu schützen. (Angriff, Rechtfertigung, Rückzug)

Das innere Kind

Ein anderer Grund ist die Thematik des inneren Kindes, ein wertvolles Konzept aus der Psychologie, dass sich auf den kindlichen Teil unseres Unterbewusstseins bezieht. In jedem von uns schlummern stets noch jüngere “Versionen” von uns. So fühlt sich die Person, die den Ratschlag bekommt mehr Sport zu machen evtl. an ihr 10 jähriges "Ich" erinnert, das von ihren Eltern Ratschläge bekam, mehr für die Schule zu tun, obwohl sie für sich selbst bereits das Gefühl hatte, dass alles so passt. Daher treten oftmals trotzige Reaktionen zutage, wie man sie früher als Kind hatte. Ein guter Buchtipp zum diesem Thema ist Stefanie Stahl’s “Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme”*

Was kann ich tun, um ruhiger und gelassener zu bleiben und meine “Ich-bin-gut und du-bist-gut” Einstellung auch wenn ich mich angegriffen fühle zu behalten?

Welche Übungen du gut nutzen kannst, um diese schnellen Reaktionen in den Griff zu bekommen, kannst du in meinem Artikel “Was bedeutet Resilienz in Konfliktsituationen und bei Meinungsverschiedenheiten und wie komme ich dahin?” nachlesen. Generell helfen alle Achtsamkeitsübungen bewusster zu reagieren und die Amygdala im Zaum zu halten.

Weiterhin findest du ein paar gute Übungen um gelassener und ruhiger in Gesprächen zu reagieren, sowie mehr Selbstliebe für dich aber auch Mitgefühl für andere auszuüben in meinen folgenden Ideen-Pins auf Pinterest:

Innere Stärke und Resilienz für Meinungsverschiedenheiten und Konflikte aufbauen mit diesen Übungen

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Empfinde mehr Glück durch Mitgefühl und Selbstliebe mit dieser Achtsamkeitsübung: „Genau wie ich“

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Übung macht den Meister - Mache dir wieder und wieder bewusst:

  • Ich bin gut so wie ich bin

  • Die anderen sind gut so wie sie sind

 

Erlaube dir so zu sein wie du bist und erlaube dir selbst die Annerkennung und Wertschätzung zuteil kommen zu lassen, die du brauchst. Wenn du dann zugleich noch das gleiche liebevolle Verhalten allen anderen gegenüber an den Tag legst, also ihre vermeintlichen Schwächen nicht als solche siehst, sondern als individuelle Wesensart, ihre andere Meinung nicht als Angriff gegen dich siehst und dahinter vielleicht auch das Bedürfnis nach Anerkennung sehen kannst, dann gelangst du stets ein Stückchen mehr zu einem heiteren, gelassenenen Leben und spürst mehr und mehr deinen inneren Frieden.

Dann bist du voll und ganz bereit die nächste Stufe auf Maslow's Bedürfnispyramide zu erklimmen: Deine Selbstverwirklichung.

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